In Deiner Vorstellung handelt es sich beim Privatier wahrscheinlich um eine Person höheren Alters, die durch den Verkauf des Unternehmens zu viel Geld gekommen ist. Um die Lebenskosten zu begleichen ist es nicht mehr notwendig einer Arbeit nachzugehen und das Vermögen reicht scheinbar bis ans Lebensende.

Ist diese Vorstellung gerechtfertigt und was bedeutet es eigentlich ein Privatier zu sein?

Erfahre in diesem Ratgeber, worum es sich bei einem Privatier handelt und wie auch Du es früher in den Ruhestand schaffst, um mehr Zeit für Deine wahren Interessen zu haben.

Erklärung des Privatiers

Die Definition des Privatiers ist im Grunde sehr einfach. In bekannten Wörterbüchern lässt sich folgende Erklärung finden:

von seinem Vermögen oder einer (nicht staatlichen) Rente lebender Privatmann

Quelle: dwds.de

Demzufolge ist ein Privatier eine Person, die über ein ausreichendes Vermögen besitzt, um keiner Erwerbstätigkeit mehr nachzugehen. Zum Bestreiten des Lebensunterhaltes ist es nicht notwendig zu arbeiten, sondern es reicht das zurückgelegte Vermögen aus.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Definition ist, dass das Geld nicht aus einer staatlichen Unterstützung stammt. Personen, die also keiner Arbeit nachgehen und beispielsweise ALG 1 oder ALG 2 beziehen, sind keine Privatiers.

Privatier zu sein bedeutet allerdings nicht, überhaupt kein Einkommen zu besitzen. Zwar ist das Vermögen in der Regel ausreichend hoch, doch es lassen sich weitere (passive) Einkommensquellen erschließen. Ist das Vermögen zum Großteil in ETFs investiert, lassen sich damit im Durchschnitt bis zu 5% Rendite im Jahr erwirtschaften. Bei einem ausreichend hohen Vermögen bedeutet dies, dass trotz laufender Kosten die Ersparnisse nicht schrumpfen, sondern wachsen können.

Privatier - Unternehmensbeteiligung
Privatiers legen oftmals Ihr Geld an und erzielen Einnahmen aus Dividenden oder anderen finanziellen Beteiligungen

Auch Beteiligungen und Ausschüttungen aus Unternehmen stehen einem Privatier als Einkommensquelle zur Verfügung. Wichtig ist, dass die eigene Arbeitskraft nicht aufgewendet wird, um das Einkommen zu erzielen. Vielmehr handelt es sich um Investitionen, die sich von selber tragen und einen Gewinn abwerfen.

Per Definition werden auch Personen erfasst, die sich der FIRE-Bewegung angeschlossen haben. Es können also (ehemalige) Erwerbstätige sein, die schon in frühen Jahren ein eher frugales Leben geführt haben und einen Großteil des Einkommens zur Seite legten. Somit ist es auch für „reguläre“ Arbeitnehmer möglich sich bereits mit 40 Jahren in den Ruhestand zu verabschieden. Das Bild, dass Privatiers lediglich reiche Unternehmer sind, die sich nun auf der Privatyacht sonnen, erscheint überholt. Privatiers können genauso gut Menschen sein, die einfach sparsam leben und deshalb nicht mehr auf ein Erwerbseinkommen angewiesen sind.

Die finanzielle Unabhängigkeit des Privatiers

Wie bereits angedeutet können Privatiers auf ganz unterschiedlichem Wege zu Ihrem Vermögen gekommen sein. Im Kern beschreibt der Begriff Personen, die finanziell unabhängig sind und nicht mehr einer Arbeitstätigkeit nachgehen.

Wodurch die finanzielle Unabhängigkeit erreicht wurde kann mit vielen Gründen zusammenhängen. Während manche Privatiers „Glück“ hatten und mit einer hohen Erbschaft das Vermögen erhielten, waren andere selber aktiv und haben entweder durch eine selbstständige Tätigkeit oder als Arbeitnehmer das Vermögen angehäuft.

Im Zuge des immer beliebteren Trends der finanziellen Unabhängigkeit gibt es bestimmte Überschneidungen, die zu diesem Vermögen geführt haben. Neben einer erfolgreichen unternehmerischen Tätigkeit steht auch das frühe Investieren im Vordergrund. Verfügst Du über ein komfortables Einkommen, sollte dies nicht einfach auf dem Girokonto versauern. Sicherlich ist es ratsam einen gewissen Notgroschen vorzuhalten, doch die Zinsen auf diesem Konto sind so gering, dass Du damit real jedes Jahr Geld verlierst.

Immobilienmarkt - Privatier
Der Immobilienmarkt ist derzeit ein riskanter Anlageort

Besser ist es, das überschüssige Geld für sich arbeiten zu lassen. In den vergangenen Jahrzehnten standen vor allem Immobilien hoch im Kurs. Durch die Anschaffung des Wohneigentums konnte langfristig ein stabiles Einkommen erzielt werden. Heutzutage bietet der überhitzte Immobilienmarkt kaum mehr Chancen, um die eigenen Ersparnisse sinnvoll anzulegen. Die Kaufpreise sind zu hoch und zu viele Investoren mit weitaus mehr finanzieller Macht sind am Markt zugegen. Als Alternative bietet sich die Investition in ETFs an. Dort erhältst Du immer noch um die 5% Rendite und nutzt Du die Chance in frühen Jahren, ist der Zinseszinseffekt umso höher.

Aufgrund der Tatsache, dass das höhere Einkommen gewinnbringend angelegt wurde, ist es durchaus möglich bereits mit 40 oder 50 Jahren in den Ruhestand zu gehen und sich nur noch von den Ersparnissen zu finanzieren. Privatier werden ist damit selbst ohne hohe Erbschaft oder einem millionenschwerem Unternehmen im Rücken möglich.

Welche Lebenshaltungskosten kommen auf den Privatier zu?

Wie teuer ist das Leben als Privatier eigentlich und welche Kosten treten auf, die Du vielleicht gar nicht auf dem Schirm hast?

Die eigentlichen Lebenshaltungskosten hängen zum Großteil natürlich mit dem eigenen Lebensstil und dem zur Verfügung stehendem Vermögen zusammen. Es ist völlig klar, dass ein Privatier mit einem dreistelligem Millionen-Vermögen sich einen anderen Lebensstil leisten kann, als wenn „nur“ eine oder zwei Millionen Euro Vermögen vorhanden sind.

Nach oben hin ist den Lebenshaltungskosten kaum eine Grenze gesetzt. Interessierst Du Dich selber dafür Privatier zu werden und möglichst früh aus dem Arbeitsleben auszuscheiden, dann sind für Dich die Minimalkosten wahrscheinlich interessanter. Die folgenden Kostenpunkte solltest Du berücksichtigen:

  • Wohnkosten
  • Krankenversicherung
  • Ernährung
  • Kleidung
  • Freizeit

Die wohl größten Kostenpunkte des Privatiers und unvermeidlich sind die Wohnkosten sowie die Krankenversicherung. Als Privatier besteht grundsätzlich die Möglichkeit den Wohnort frei zu wählen. Du bist also nicht angewiesen in der angesagten Großstadt zu leben, in welcher ein kleines Apartment bereits 1.000 Euro Kaltmiete kostet. Falls Du auf dem Land glücklicher bist und mehr Platz zur persönlichen Entfaltung benötigst, könntest Du relativ preiswert ein Haus auf dem Land erwerben. Dies ist zwar nicht für alle Personen attraktiv, doch die Wohnkosten lassen sich auf ein Minimum reduzieren.

Ein weiterer Punkt ist die Krankenversicherung. Als Privatier steht es Dir frei entweder in der gesetzlichen Krankenkasse versichert zu sein oder eine private Versicherung abzuschließen. Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse richten sich nach dem aktuellen Einkommen. Lebst Du als Privatier hauptsächlich von Deinen Ersparnissen, sind die Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse denkbar gering. Mit steigendem Einkommen aus Dividende und anderen Beteiligungen könnten zwar auch die Beiträge steigen, doch in der Summe liegen diese höchstwahrscheinlich unter der privaten Krankenversicherung. Bei der privaten Krankenversicherung sind vor allem im fortgeschrittenen Alter höhere Kosten zu erwarten. Daher lohnt es sich für viele Privatiers freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung zu bleiben.

Von diesen beiden großen Fixkosten abgesehen, bestehen die üblichen Lebenshaltungskosten. Diese betreffen vor allem die Ernährung und die Freizeitgestaltung. In Deutschland sind die Lebensmittelpreise relativ gering. Als alleinstehende Person ist es möglich sich schon mit wenigen Hundert Euro ausgewogen und gesund zu ernähren. Doch wie hoch sind nun die tatsächlichen Kosten?

Der ALG 2 Satz orientiert sich in Deutschland am absoluten Minimum. Inklusive Wohnung besteht ein Anspruch auf etwa 900€. Damit lassen sich in etwa die minimalen Kosten beschreiben, mit denen ein Leben in Deutschland möglich ist. Sind Deine Ansprüche höher, musst Du dies in Deinem Budget berücksichtigen. Als Richtlinie sollte ein Privatier über ein ausreichend hohes Vermögen verfügen, um mindestens Lebenshaltungskosten zwischen 1.500 Euro und 2.000 Euro im Monat zu decken. Ein Privatier lebt also nicht immer auf großem Fuße, sondern kann durchaus sparsam sein.

Erhalten Privatiers eine gesetzliche Rente?

Deutschland verfügt über ein sehr ausgeprägtes Sozialsystem. Zur Deckung des Lebensunterhaltes im Alter ist die gesetzliche Rente vorgesehen. Ob ein Privatier im fortgeschrittenen Lebensabschnitt diese staatliche Unterstützung erhält, hängt ganz vom vorherigen Arbeitsleben ab.

Anspruch auf die gesetzliche Rente besteht nur, wenn selber in das System eingezahlt wurde. Wer Arbeitnehmer ist, erwirbt auf Grundlage des Einkommens eine bestimmte Anzahl an Rentenpunkten. Aus diesen errechnet sich später die Höhe der eigenen Rente.

Anders sieht es hingegen bei selbstständigen Personen aus. Diese sind nicht dazu verpflichtet in die Rentenkasse einzuzahlen. Es besteht jedoch die Möglichkeit auf freiwilliger Basis die Zahlungen zu leisten. So erhalten auch Selbstständige einen Anspruch auf Zahlungen aus der gesetzlichen Rente. In der Realität führt die Selbstständigkeit jedoch nicht selten in die Altersarmut. Da keine Pflicht besteht, wird häufig blauäugig in die Zukunft geschaut und die Vorsorge vernachlässigt. Wer nicht in die Rentenkasse einzahlt und auch privat nicht vorsorgt, erhält grundsätzlich keine Rente.

Wie lebt es sich als Privatier?

Findest Du die Idee interessant das Berufsleben hinter Dich zu lassen und Dich anderen Tätigkeiten zu widmen, besteht vielleicht die Möglichkeit ein Sabbatical einzulegen. Dabei handelt es sich um einen fest definierten Zeitraum, in welchem Du von der Arbeit freigestellt wirst. Du erhältst kein Einkommen, aber zumindest die Sicherheit, nach dem Sabbatical wieder in die Arbeitsposition zurückzugehen.

Meist ist das Sabbatical auf ein Zeitraum von 12 Monaten ausgelegt. In dieser Zeit kannst Du selber erfahren, wie es ist, wenn Du Deinen Tagesablauf vollkommen frei gestalten kannst. Erfüllt Dich dieses Leben oder sehnst Du Dich vielleicht wieder nach der festen Struktur des Berufslebens?

In der Vorstellung mag es traumhaft sein einfach nur, als Privatier das Leben zu genießen. Die Ernüchterung folgt jedoch, wenn nach wenigen Wochen sprichwörtlich die Decke auf den Kopf fällt. Das Sabbatical stellt eine gute Möglichkeit dar, um diesen Lebensstil zu testen.

Der Weg zum Privatier

Ist es realistisch für Dich auch zum Privatier zu werden und wie könnte solch ein Werdegang aussehen?

Ob es für Dich möglich ist nur von Deinen Ersparnissen zu leben, hängt im Wesentlichen von Deinen Lebenshaltungskosten ab. Aus diesen errechnet sich, wie hoch Deine Sparsumme sein muss, um davon komfortabel zu leben.

Als einfache Annahme kannst Du davon ausgehen, dass Du monatlich rund 2.000 Euro benötigst. Damit ist ein Leben als sparsamer Privatier durchaus möglich. Ausgehend von einer Entnahmerate von 4% Deines Sparvermögens, ergibt sich daraus eine investierte Summe von 600.000 Euro. Nicht enthalten sind darin allerdings die Kapitalertragssteuern. Diese liegen bei 25% des Einkommens, wobei bei einem niedrigen Einkommen auch eine Günstigerprüfung infrage kommt. Als Vereinfachung wird inklusive Steuern angenommen, dass ein Vermögen von 800.000 Euro notwendig ist, um allein vom Einkommen des Kapitalvermögens zu leben. Somit sind nicht mal eine Million Euro notwendig, um als Privatier zu leben. Dir sollte aber bewusst sein, dass mit dieser Summe keine großen Sprünge möglich sind. Ausgiebige Reisen oder andere Luxusgüter erfordern ein wesentlich höheres Vermögen.

Die eigentliche Frage ist nun, wie Du die Sparsumme von 800.000 Euro erreichst.

Dies kann auf unterschiedlichem Wege geschehen. In den USA ist die FIRE-Bewegung vor allem bei Softwareentwicklern beliebt. Das Einkommen liegt oftmals im sechsstelligen Bereich, sodass ein relativ hoher Anteil des Einkommens zurückgelegt werden kann. In Deutschland ist dies aufgrund der höheren Steuern und dem niedrigeren Lohnniveau weniger praktikabel. Der Ruhestand mit 40 Jahren somit nur in Ausnahmefällen möglich.

Sparen - Privatier
Wer sparsam lebt kann auch als Arbeitnehmer früher in die Rente und als Privatier leben

Lebst Du sparsam, gehst einem typischen MINT-Beruf oder einer Beamtenlaufbahn nach, könnte der Ruhestand mit 50 Jahren aber durchaus realistisch sein. Investierst Du Dein Geld bereits in jungen Jahren und profitierst vom Zinseszinseffekt, ist das Leben als Privatier in greifbarer Nähe. Du musst aber selber entscheiden, ob die Sparsamkeit für Dich praktikabel ist oder eine zu große Einschränkung der Lebensqualität darstellt.

Müssen Privatiers Steuern zahlen?

In der vorherigen Beispielrechnung ist das Thema Steuern bereits angeklungen. Besteuert wird in Deutschland grundsätzlich das Einkommen. Eine Vermögenssteuer gibt es derzeit nicht, wobei sich dies natürlich in der Zukunft ändern kann. Aufgrund der hohen Kosten in der Umsetzung erscheint es jedoch unwahrscheinlich, dass eine Vermögenssteuer in Deutschland eingeführt wird.

Für Privatiers relevant sind vor allem die Steuern auf Kapitalerträge. Das Vermögen wird gewinnbringend angelegt und stellt das einzige Einkommen dar. In diesem Fall greift die Kapitalertragssteuer in Höhe von 25%. Jeglicher Gewinn aus Aktien oder Dividenden muss also zu einem Satz von pauschal 25% versteuert werden. Ein Privatier ist dazu verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben. Wird dies versäumt handelt es sich streng genommen um Steuerhinterziehung.

Ein Sonderfall liegt vor, falls das Einkommen aus Kapitalvermögen so gering ist, dass die darauf anfallende Einkommensteuer geringer wäre. Die Einkommensteuer ist nicht pauschal, sondern steigt in Abhängigkeit des Einkommens. Zudem besteht ein Freibetrag von knapp 10.000 Euro. Sind die Einkünfte aus Kapitalvermögen relativ gering, könnte durch die Günstigerprüfung die Steuerlast sinken.

Erzielt ein Privatier kein Einkommen aus Kapitalvermögen, sondern liegt das Geld einfach unter dem Kopfkissen, muss er auch keine Steuern darauf zahlen.

Wie viele Privatiers gibt es in Deutschland?

Bei der Beschreibung der Vermögenssituationen scheinen sich in Deutschland immer größere Scheren aufzuzeigen. Während der Anteil an Personen in prekären Verhältnissen wächst, wächst gleichzeitig auch die Zahl an Privatiers.

Mittlerweile wird angenommen, dass mehr als 600.000 Menschen in Deutschland zu den Privatiers gezählt werden. Zum Vergleich, im Jahr 2010 lag die Zahl noch bei 415.000 Personen. Innerhalb von 10 Jahren ist die Zahl also um gut ein Drittel angewachsen – und das trotz Finanzkrise und Niedrigzinsphase!

Das Leben im dauerhaften Ruhestand

Es erscheint also gar nicht so ungewöhnlich einfach nur vom Vermögen zu leben und nicht mehr einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Siehst Du Deinen Beruf eher zweckmäßig und dient dieser dazu Deinen Lebensunterhalt zu sichern, dann könnte der Weg des Privatiers auch für Dich eine interessante Alternative darstellen.

Zu den Privatiers werden keinesfalls nur die Multimillionäre gezählt, die das gesamte Jahr umherreisen und den Luxus genießen. Auch bodenständige Personen können als Privatier aus dem Arbeitsleben aussteigen und einen alternativen Lebensweg bestreiten.

Nun sollte Dir klar sein, was ein Privatier eigentlich ist und wie es auch für Dich möglich ist mit einem ausreichend hohen Vermögen nicht mehr arbeiten zu müssen.

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