Der Notgroschen – Wie hoch sollten Deine Rücklagen sein?

Das Geld investieren und zu sehen, wie es aufgrund der Rendite stetig wächst, mag interessant sein. Möchtest Du möglich schnell Deinen Job an den Nagel hängen oder im Alter gut vorgesorgt haben, ist das Investieren eine wichtiges Fundament, um dieses Ziel zu erreichen.

Du magst zwar nicht daran denken, doch auf diesem Weg können einige unschöne Überraschungen auf Dich warten. Das Auto gibt seinen Geist auf, die Waschmaschine geht kaputt oder das Finanzamt verlangt von Dir eine Nachzahlung.

Um nicht sofort in finanzielle Nöte zu geraten und selbst eine Phase der Arbeitslosigkeit besser zu überstehen, ist es klug einen Notgroschen anzulegen. Diese eiserne Reserve hilft Dir in der Not, damit Du nicht einen Kredit aufnehmen musst und den Kapitalbedarf unkompliziert decken kannst.

Wie hoch sollte der Notgroschen sein und wie kannst Du ihn am besten anlegen? Sollte das Geld einfach unter dem Kopfkissen gebunkert werden oder gibt es sinnvollere Möglichkeiten, den Notgroschen zu verwahren?

Die Höhe des Notgroschens

Führst Du ein Leben in Saus und Braus oder bist Du eher minimalistisch veranlagt?

Wie viel Geld Du zur Seite legen solltest, hängt ganz von Deinem Lebensstil und Deinem Bedarf ab. Schaust Du weniger auf das Geld und gibst Du jeden Monat große Summen aus, um Deinen Lebensstandard aufrechtzuerhalten, ist mehr Kapital notwendig.

In Deutschland haben wir das Glück, dass es einen starken Sozialstaat gibt. Kommt es zu einer persönlichen Krise, etwa weil Du arbeitslos oder krank wirst, gibt es eine Reihe von Sicherungsmechanismen, die Dich auffangen. Daher ist bei der Höhe des Notgroschens auch das Land relevant, in welchem Du lebst.

Unterhältst Du Dich mit einer in den USA lebenden Person, wird diese wahrscheinlich zu einer höheren Reserve raten. Dort ist die Gefahr aufgrund der relativ geringen Arbeitnehmerschutzes und des schwächeren Sozialstaates wesentlich höher, in eine finanzielle Schieflage zu geraten.

Eine Faustregel besagt, dass der Notgroschen etwa drei bis fünf Nettogehälter entsprechen sollte. Gibst Du nicht Dein komplettes Nettogehalt aus, sondern sparst jeden Monat noch etwas, werden diese Nettogehälter ausreichend sein, um Dich selbst bei einem Totalausfall für einige Monate über Wasser zu halten.

Da es sich nur um eine grobe Faustformel handelt, ist diese nicht für jede Person in Stein gemeißelt. Bist Du an der Optimierung Deiner Finanzen interessiert und möchtest kein Geld ungenutzt liegen lassen, ist es eine gute Idee, sich die Höhe des Notgroschens genauer anzuschauen. Denn drei bis fünf Nettomonatsgehälter können eine breite Summe abdecken.

Zunächst sei hier die Ungenauigkeit des Nettogehaltes zu sagen. Das Netto-Medianeinkommen liegt in Deutschland bei rund 1.600 Euro pro Monat. Verdienst Du mehr als die angegebenen 1.600 Euro, gehörst Du zu den „wohlhabenderen“ Personen. Tendenziell sind die Gehälter im Süden höher als im Osten Deutschlands.

Innerhalb der Einkommen gibt es eine große Spannbreite. Bezogen auf das Nettoeinkommen bedeutet die Richtlinie von drei Nettogehältern, dass bei 1.200 Euro netto im Monat 3.600 Euro als Notgroschen vorhanden sein sollte. Verdienst Du jedoch 2.000 Euro, ist ein Betrag von 6.000 Euro als Reserve anzuraten.

Weshalb das Nettogehalt wenig hilfreich ist

Die Orientierung am Nettogehalt mag eine einfache Möglichkeit darstellen, um die Höhe des Notgroschens zu bestimmen. Doch wie sinnvoll ist diese Maßgabe?

Mit dem Notgroschen ist das Ziel verbunden, einen finanziellen Ausfall oder Schaden begleichen zu können. Es wird also ein „Worst-Case-Szenario“ durchgespielt. Für Arbeitnehmer könnte dies bedeuten, dass Du Deinen Arbeitsplatz verlierst. Besitzt Du ein Haus, könnte dies allerdings ein Wasserschaden oder ein kaputtes Dach sein. Anhand dieser Beispiele merkst Du bereits, dass die möglichen finanziellen „Worst-Case-Szenarien“, maßgeblich von Deinen Lebensumständen abhängen.

Denn nur weil Du ein höheres Einkommen beziehst, bedeutet dies nicht automatisch, dass Du ein teureres Auto fährst, dessen Reparaturen eine größere Rücklage erforderlich machen. Lebst Du weiterhin eher minimalistisch und unterliegst Du nicht der typischen „Lifestyle-Inflation“, wirst Du den Notgroschen ruhig kleiner halten können.

Daher ist es besser auf Deine individuelle Situation zu schauen. Dabei ist zu betrachten, welche Fälle es geben könnte, die sofort einen größeren Finanzbedarf erfordern. Ist es ein Notfall, wenn Dein Fernseher kaputtgeht und möchtest Du diesen sofort ersetzen? Oder hältst Du es auch ein paar Tage ohne Fernseher aus und kannst Dir mit dem nächsten Gehaltseingang einen neuen kaufen?

Anders sieht es zum Beispiel beim Smartphone, dem Laptop oder Auto aus. Benötigst Du Smartphone und Laptop zum Arbeiten, sind diese dringend notwendig und müssen so schnell wie möglich bei einem Defekt ersetzt werden. Auch das Auto wird für Deine Lebensqualität eine hohe Relevanz besitzen und falls Du nicht über eine angemessene ÖPNV-Anbindung verfügst, wird das Fahrzeug essenziell für Dich sein.

Betrachte daher die Kosten, die entstehen, falls diese wichtigen Dinge ersetzt werden müssten. Dafür kannst Du eine Liste von essenziellen Gegenständen für Dich erstellen.

Der absolute Ernstfall

Notgroschen - Mobilität
Ist ein Fahrzeug unverzichtbar für Dich, sollte der Notgroschen so hoch sein, dass Du selbst im Falle eines Totalschadens mobil bleibst

Die Liste mit den unentbehrlichen Gegenständen könnte für Dich wie folgt aussehen.

  • Auto – 3.000€
  • Kühlschrank – 300€
  • Smartphone – 400€
  • Laptop – 600€

Dies sind die Kosten, die auf Dich zukommen würden, falls Du sie ersetzen müsstest. Gemäß des Ernstfalles, dass alle Geräte gleichzeitig den Geist aufgeben, kommen Kosten in Höhe von 4.300 Euro auf Dich zu.

Damit ist ein fiktiver Worst-Case abgebildet, bei welchem all Deine essenziellen Gegenstände zum selben Zeitpunkt defekt sind. In der Realität wird solch ein Fall aber kaum vorkommen. Orientierst Du Dich an dem Wert Deiner wichtigsten Gegenstände, musst Du nicht so vorsichtig sein und den Notgroschen auf solch einen hohen Wert anwachsen lassen.

Die wahrgenommene Angst ist wesentlich höher als die Statistik zeigt. Wähle dennoch einen Notgroschen, bei welchem Du ein gutes Gefühl hast. Indem Du Dir die Liste erstellst, wirst Du einen besseren Überblick über Deine Wertgegenstände erhalten, die für Dich im täglichen Gebrauch unverzichtbar sind.

Wo legst Du den Notgroschen an?

Der Notgroschen unterscheidet sich von Deinem gewöhnlichem Investment vor allem dadurch, dass es sich um liquide Mittel handelt. Tritt der Ernstfall auf, musst Du unverzüglich einen Ersatz besorgen und dass Geld muss sofort zur Verfügung stehen. Falls das Auto ausfällt, möchtest Du nicht erst die Goldreserven zu Geld machen oder eine private Altersvorsorge auflösen, damit Du genügend Geld hast, um ein neues Fahrzeug zu kaufen.

Mittlerweile gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie Du vollkommen liquide Dein Geld anlegen kannst. Es muss sich nicht in Form von Bargeld unter Deinem Kopfkissen befinden.

Eine Möglichkeit wäre es, den Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto zu lassen. Auf dieses erhältst Du ähnlich einen Zugriff wie auf Dein Girokonto und Du kannst unverzüglich an das Geld gelangen. Allerdings bietet das Tagesgeldkonto kaum einen Vorteil mehr. Denn die Zinsen sind auf einem historischen Tiefstand und bei höheren Summen musst Du sogar einen Negativzins in Kauf nehmen. Dies bedeutet, dass Du eine Gebühr bezahlen musst, damit Dein Geld verwahrt wird.

Alternativ kannst Du auch andere Anlageformen nutzen, die Du bereits für Deine Investments für Dich entdeckt hast. Dazu könnten etwa Aktien, Anleihen oder ETFs zählen.

Der Vorteil dieser Anlagen besteht darin, dass Dein Notgroschen nicht einfach nur rumliegt und aufgrund der Inflation an Wert verliert. Nein, er erwirtschaftet sogar noch etwas Geld und legt im Wert zu. Doch ist es wirklich sinnvoll den Notgroschen in Aktien zu investieren?

Wie risikoreich sollte der Notgroschen angelegt werden?

Letztlich ist es Dir selber überlassen, wie risikofreudig Du bist und ob Du Dich sehr um die entgangene Rendite sorgst. Im Sinne der Profitmaximierung wäre es sicherlich optimal, wenn der gesamte Notgroschen in ETFs liegt. Verständlicherweise ist aber nicht jeder Sparer davon überzeugt, keinerlei Reserven mehr auf dem Girokonto oder in Bar zu haben.

Allerdings solltest Du die Opportunitätskosten betrachten. Wie hoch fällt Dein persönlicher Notgroschen aus? Beträgt dieser 5.000 Euro oder fühlst Du Dich mit 10.000 Euro noch sicherer?

Dann solltest Du die entgangenen Zinsen im Auge behalten. Rechnest Du mit einer Rendite von 5% pro Jahr, „kostet“ Dich der Notgroschen von 5.000 Euro ganze 250 Euro, falls Du dieses Geld nicht investierst. Bei einem höheren Betrag steigen dementsprechend auch die Opportunitätskosten.

Die Frage ist nun, ob Du es Dir leisten kannst, solch einen teuren Notgroschen zu führen. Betrachtest Du den Zinseszinseffekt, fallen die Kosten noch um einiges höher aus. Innerhalb weniger Jahre können Dir Gewinne im vierstelligen Bereich entgangen sein. Damit entstehen durch den Notgroschen allein bereits Kosten, die manche Deiner kalkulierten Notfälle übersteigt.

Wie sieht Dein Vorgehen aus?

Letztlich bleibt es Dir überlassen, wie viel Geld Du auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto belassen möchtest und wie viel in ETFs investiert werden. Die Geschichte zeigt jedoch, dass ETFs zu den sichersten Anlagemöglichkeiten zählen. Selbst in den schweren Krisenzeiten um die Jahrtausendwende und während des Jahres 2008, haben sie sich wieder schnell erholt. Die Rückgänge wurden innerhalb weniger Monate komplett aufgeholt. Wäre neben den Kurseinbrüchen auch noch Dein Fahrzeug zusammengebrochen, wäre also noch eine ausreichend hohe Reserve vorhanden gewesen, um diesen Notfall zu verkraften.

Die Empfehlung lautet daher, so wenig Geld wie möglich in Form von Bargeld oder Tagesgeld zu halten und den größten Teil investiert zu lassen. Kommt es doch mal zu einem unvorhergesehenem Finanzbedarf, kannst Du das Geld zügig aus dem ETF abziehen und verwenden.

Vermeiden solltest Du jedoch das Anlegen des Notgroschens in einzelne Aktien. Diese sind deutlich volatiler und der Geldbetrag größeren Schwankungen ausgesetzt. Dann könnte tatsächlich der Fall eintreten, dass nicht genügend Geld zur Verfügung steht und andere Geldquellen angezapft werden müssen.

Behalte beim Notgroschen also im Hinterkopf, wie schwerwiegend Dein „Worst-Case-Szenario“ ausfällt. Danach solltest Du nur so wenig Geld wie möglich untätig liegen lassen und die größtmögliche Summe sicher investieren – vorzugsweise in ETFs.

In jedem Fall gilt aber, dass Du Dich wohl mit Deiner Strategie fühlen musst. Ist Dir die entgangene Rendite nicht so wichtig und fühlst Du Dich mit einer höheren Reserve auf dem Girokonto beruhigter, könnte dies zu weniger Stress führen. Letztlich geht es ja darum mit dem Notgroschen die Lebensqualität aufrechtzuerhalten und Stress zu vermeiden. Daher musst Du selber einen Mittelweg für Dich finden, wie hoch Dein Notgroschen auf dem Konto oder als Bargeld ausfällt.

Sebastian
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