Miete bar bezahlen – Kann der Vermieter das verlangen?

Vor einigen Jahrzehnten war es durchaus üblich, die meisten Zahlungen in bar zu leisten. Selbst für hohe Beträge wie der Miete galt dieser Grundsatz. Der Vermieter ist dann persönlich durch das Haus gegangen und hat die Miete in bar eingesammelt.

Heutzutage ist es nicht mehr üblich die Miete in bar zu bezahlen. Die Überweisung ist komfortabler und einfacher nachvollziehbar. Es könnte dennoch die Frage aufkommen, ob es rechtlich erlaubt ist, die Miete in bar zu bezahlen und in welchen Fällen dies als beste Lösung angesehen wird.

Ist es erlaubt die Miete bar zu bezahlen?

Grundsätzlich herrscht in Deutschland die Vertragsfreiheit. Dies bedeutet, dass zwei mündige Parteien Ihren Vertrag frei gestalten dürfen. Was dort festgehalten wird, gilt für die Vertragsparteien als verbindlich.

Neben einigen rechtlichen Einschränkungen, die etwa unausgewogene Machtverhältnisse glätten sollen, gilt dieser Grundsatz auch im Mietrecht. Die Zahlung der Miete gilt hierbei sogar als „Schickschuld“. Der Mieter ist also verpflichtet das Geld dem Vermieter zu bringen.

Der ganze Vorgang ist im §270 BGB[1] geregelt. Dort heißt es:

Als rechtlich verbindlich gilt der Mietvertrag. Wird dort festgehalten, dass das Geld bar bezahlt wird, muss der Mieter sich daran halten. Dies bedeutet im Zweifel sogar, dass er das Geld persönlich zum Wohnsitz des Vermieters bringen muss. In der Regel wird die Barzahlung jedoch im Mietobjekt also praktisch „vor der Wohnungstür“ erledigt.

Alternativ zur Barzahlung wird heutzutage üblicherweise die Überweisung bevorzugt. Entweder per Dauerauftrag oder jeden Monat aufs Neue wird das Geld vom Mieter auf das angegebene Konto transferiert. Auch eine Einzugsermächtigung für den Vermieter ist zulässig. Dieser ist dann in der Pflicht das Geld selbstständig abzubuchen. Der Mieter sollte jedoch darauf achten, dass die Höhe korrekt ist und im Falle einer Abweichung den Sachverhalt klären und eine Rückbuchung veranlassen.

Ist im Mietvertrag eine bestimmte Zahlungsform vereinbart, kann diese während des Mietverhältnisses nicht einfach geändert werden. Möchte der Vermieter plötzlich die Miete bar erhalten, sollten die Alarmglocken schrillen. Denn dieser Sinneswandel beruht häufig darauf, dass Geldprobleme vorliegen. In solch einem Fall wird strikt davon abgeraten sich auf die Barzahlung einzulassen. Die Überweisung ist wesentlich sicherer und erlaubt die eindeutige Dokumentation der Mietzahlungen.

Weshalb bestehen manche Vermieter auf die Barzahlung?

Besteht der Vermieter auf eine Barzahlung, mag dies ungewöhnlich klingen. Denn wer verzichtet denn heutzutage schon auf die viel komfortablere Überweisung? Es gibt jedoch manche Gründe, die für die Barzahlung im Sinne des Vermieters sprechen. Ob der Vermieter es mit dem Gesetz nicht so genau nimmt oder legitime Gründe bestehen, lässt sich kaum herausfinden.

Persönliche Kontakt mit dem Mieter

Ein Grund, weshalb der Vermieter auf eine Zahlung in bar besteht, könnte im persönlichen Kontakt mit dem Mieter begründet sein. Wird die Wohnung nicht von großen Immobilienunternehmen verwaltet, sondern privat vermietet, hat der Vermieter oftmals ein größeres Interesse daran, den Zustand des Mietobjektes zu begutachten.

Bei der Zahlung wird ein Smalltalk mit dem Mieter gehalten und dieser zum Beispiel auf mögliche Probleme angesprochen. Gleichzeitig kann auch ein Blick in die Wohnung geworfen werden, um zu sehen, in welchem Zustand diese sich befindet. Diese Gründe mögen zwar zu mehr Arbeit führen, sind aber durchaus legitim.

Finanzielle Schieflage

Gerät der Vermieter in eine finanzielle Schieflage könnte es vorteilhaft sein lieber das Geld in bar zu erhalten. Können Rechnungen nicht mehr beglichen werden, besteht die Gefahr, dass das Konto eingefroren und das Geld gepfändet wird. Das Bargeld wird dann gerne genommen, um zumindest noch eine Reserve „unter dem Kopfkissen“ zu haben, welches nicht gepfändet wird.

Einnahmen dem Finanzamt verschweigen

Ein weiterer Grund für die Barzahlung könnte darin bestehen, dass der Vermieter diese Einnahmen dem Finanzamt verschweigt oder nicht ordnungsgemäß angibt. Die Barzahlung lässt sich schwieriger nachverfolgen als eine Überweisung. Um als Mieter auf der sicheren Seite zu stehen, sollte immer auf eine Quittung bestanden werden. Andernfalls könnte der Vermieter behaupten, dass eine Zahlung nie erfolgt sei.

Welches Risiko ist mit der Barzahlung verbunden?

Mit welchen Gefahren ist die Zahlung in bar verbunden und muss sich der Mieter darauf einlassen?

Größere Mengen Bargeld zu Hause zu haben ist in jedem Fall mit einem Risiko verbunden. Die Miete stellt einen nicht unerheblichen Betrag dar. Kommt das Geld bei einem Einbruch abhanden oder wird schlichtweg verloren, stellt dies einen hohen Verlust dar und der Notgroschen muss möglicherweise für die Mietzahlung in Anspruch genommen werden.

Auch besteht die Gefahr, dass das Geld nicht mehr an den korrekten Eigentümer gegeben wird. Wurde die Mieter bisher in bar übergeben und fand zwischenzeitlich ein Eigentümerwechsel statt, könnte der ehemalige Vermieter noch eine Zahlung verlangen. Ohne Wissen über den Eigentümerwechsel wird das Geld wie gewohnt übergeben. Die fälschliche Zahlung zurückzuerhalten ist äußerst schwierig und wenig aussichtsreich. Somit hat der ehemalige Vermieter sich um die Miete bereichert.

Welche Vorteile hat die Überweisung?

Wurde im Mietvertrag über die Zahlungsweise nichts festgehalten, so gilt die Überweisung als wesentlich sicherer und komfortabler. Sie ist über das Online-Banking in wenigen Klicks erledigt und ermöglicht eine genaue Rückverfolgung des Zahlungsverkehrs. Dadurch kann der Vermieter nicht einfach behaupten er hätte das Geld nicht erhalten und auch mögliche Zahlungsverzögerungen sind genau feststellbar.

Am praktischsten ist die Einrichtung eines Dauerauftrages. Mit diesem wird die Miete automatisch zum festgelegten Stichtag überwiesen. Nur bei einer Mieterhöhung sollte daran gedacht werden den Dauerauftrag anzupassen. Der Dauerauftrag[2] ist damit dem bar zahlen überlegen und mit weniger Aufwand verbunden.

Die Miete bar zahlen

Wie die Miete beglichen wird, ist dem Mietvertrag zu entnehmen. Ist dort die Zahlung in bar vereinbart, muss sich der Mieter daran halten. Diese Zahlungsmethode ist zulässig und verbindlich.

Verlangt der Vermieter plötzlich die Zahlung in bar, obwohl im Mietvertrag steht, dass eine Überweisung gewünscht ist, sollten die Alarmglocken schrillen. Auf die Zahlung in bar ist lieber zu verzichten und die Überweisung weiterhin auszuführen.

Es mag zwar heutzutage absolut unüblich sein mit dem Bargeld die Miete zu bezahlen, doch rechtlich ist es immernoch zulässig.

Sebastian
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