Während des Studiums gelang es Dir mit sehr wenig Geld auszukommen. Hast Du BAföG bezogen oder wurdest von Deinen Eltern finanziell unterstützt, war das Einkommen knapp. Es lag wahrscheinlich unter 1.000 Euro und damit musstest Du Deinen gesamten Lebensstil finanzieren. Ob Miete, Lernunterlagen oder mal das Bier am Wochenende, das Geld war immer rar. Doch irgendwie hat es funktioniert und Du bist mit dem Geld ausgekommen.

Gerät der Abschluss in greifbare Nähe hast Du Dir bestimmt vorgestellt, wie es nun wäre endlich ein höheres Einkommen zu erzielen. Zum Einstieg mag unterm Strich vielleicht noch weniger als 2.000 Euro netto herauskommen, doch innerhalb weniger Jahre lässt sich das Gehalt vielversprechend steigern. Im Vergleich zur Studienzeit beträgt Dein monatliches Einkommen ein Vielfaches und es sollte für Dich ein Leichtes sein, mit diesem Geld zurechtzukommen.

Dennoch bemerkst Du, dass trotz höherem Zahlungseingang das Geld zum Monatsende knapp ist. Es gelingt Dir kaum einen Notgroschen aufzubauen und Du erwartest immer noch gespannt den nächsten Gehaltseingang.

Findest Du Dich in dieser Situation wider, dass trotz steigendem Einkommen das Geld nicht spürbar mehr wird? Dann unterliegst Du der Lifestyle Inflation. Erfahre, was es damit auf sich hat und wie Du sie in den Griff bekommst.

Was bedeutet die Lifestyle Inflation

Zunächst ist es wichtig zu definieren, wobei es sich eigentlich bei der Lifestyle Inflation handelt.

Während der Studienzeit war das Einkommen zwar gering, doch die Ausgaben hielten sich in Grenzen. Du hast in einer WG oder im günstigen Studentenwohnheim gelebt, täglich in der Mensa gegessen und unregelmäßig die Studentenpartys besucht. Ein Auto war nicht zwingend notwendig, sondern das Semesterticket reichte aus, um mobil zu sein.

Nach dem erlangten Abschluss und dem Berufseinstieg merkst Du, dass gleichzeitig mit Deinen Einnahmen auch die Ausgaben in die Höhe gehen. Der Umzug in eine eigene kleine Wohnung steht an und womöglich legst Du Dir nun ein Auto zu.

Die Lifestyle Inflation beschreibt, dass mit zunehmenden Einkommen auch die Ausgaben steigen. Dies ist zunächst sehr deutlich im Berufseinstieg zu spüren, wiederholt sich allerdings bei jeder Gehaltserhöhung.

Unterm Strich bleibt trotz vergleichsweise hohem Einkommen kein Geld mehr übrig, um zu sparen oder Schulden zu bezahlen. Es wird weiterhin nur von Monat zu Monat gedacht, ohne langfristig eine finanzielle Reserve anzulegen.

Die Lifestyle Inflation beschreibt eine Zunahme der Lebenshaltungskosten. Ein gewisser Anstieg ist nach dem Studium unumgänglich. Als Student stehen Dir einige Vergünstigungen zu, die während des Berufslebens wegfallen. Die Kantine mag teurer sein als die Mensa und anstatt des Semestertickets nutzt Du nun Dein eigenes Fahrzeug.

Zu einem gewissen Grad sind die gestiegenen Ausgaben also eine logische Folge der veränderten Lebenssituation. Die Lifestyle Inflation beschreibt hingegen einen übertriebenen Anstieg der Lebenshaltungskosten, die kaum mit einer Steigerung der Lebensqualität einhergehen. Das Geld verschwindet förmlich, ohne dass Dir bewusst ist, wohin es eigentlich fließt.

Möchtest Du finanziell auf sicheren Beinen stehen und eine Rücklage aufbauen, solltest Du diese Art von Verschwendung eindämmen. Andernfalls wird die Lifestyle Inflation extrem ausgedrückt dazu führen, dass Du selbst mit einem Einkommen von 5.000 Euro netto im Monat, am Ende keinen Cent zurücklegst.

Ursachen der Lifestyle Inflation

Worauf basiert die Lifestyle Inflation und kannst Du Dich in den folgenden Beispielen wiederfinden?

Dass die Lebenshaltungskosten steigen, ist mit dem Einstieg in das Berufsleben völlig normal. Dazu gehört, dass Du eine einfache Wohnung mietest, die mit Mietkosten von ca. einem Drittel Deines Einkommens einhergeht. Auch ein eigenes Auto kann notwendig sein, falls der Arbeitsplatz weiter entfernt und der öffentliche Nahverkehr kaum erreichbar ist. Diese Ausgaben würde ich noch nicht zwingend als Lifestyle Inflation bezeichnen, da sie sich kaum vermeiden lassen.

Ausgaben - Lifestyle Inflation
Kleinere Ausgaben, die Du früher nicht getätigt hast summieren sich nun und sind Symbol der Lifestyle Inflation

Anders sieht es hingegen aus, wenn mit dem Einstieg in das Berufsleben noch weitere andere Gewohnheiten dazukommen. Gönnst Du Dir nun auf dem Weg zur Arbeit jeden Morgen einen Coffee-to-Go und kaufst das belegte Brötchen am Kiosk? Dann sind dies bereits ein paar Euro, die einzeln betrachtet kaum ins Gewicht fallen, sich im Monat aber summieren. Anstatt selber das Brot zu schmieren und den Kaffee aufzusetzen, wie Du es noch als Student getan hast, ist es jetzt bequemer das Frühstück auf dem Weg zur Arbeit zu kaufen. Im Monat können auf diese Weise schnell mal 100 Euro an Mehrbelastung auf Dich zukommen.

In ähnlicher Weise setzt sich die Lifestyle Inflation vor allem in kleinen Dingen fort. Nun werden die Markenprodukte im Supermarkt gekauft und das ein oder andere Abo im Monat zusätzlich angeschafft. Anstatt im einfachen Fitnessstudio trainierst Du nun im teuren Gym inklusive Personal Trainer. Beim Fahrzeug wählst Du nicht den preisbewussten Gebrauchtwagen, sondern finanzierst lieber einen teuren Neuwagen, welcher zugegebenermaßen über einige Annehmlichkeiten verfügt.

Du gewöhnst Dich an diesen Lebensstil und glaubst, dass dieses Konsumverhalten Dir zu einem glücklicheren Leben verhilft. Die Wahrheit ist allerdings, dass der gestiegene Konsum Dir nur kurzzeitig einen gewissen „Kick“ gibt. Die neuen Schuhe in den Händen zu halten erfreut Dich in diesem Moment. Doch fühlst Du Dich mit diesem Konsum tatsächlich glücklicher?

Welche Probleme folgen aus diesem Lebensstil

Die Wahrheit liegt meist darin, dass der Konsum nur sehr kurzfristig eine gewisse Freude bereitet. Der Mensch ist sehr vergesslich und all die schönen Dinge, die Du Dir jetzt gönnst, scheinen Dir morgen gar nicht mehr bewusst zu sein.

Es mag viel entspannter sein in dem tollen Fahrzeug zur Arbeit zu fahren. Doch wenn Du im Stau steckst, regst Du Dich darüber wahrscheinlich wie jede andere Person auch auf. Du empfindest also kaum mehr Freude daran Dich im Auto zu befinden und siehst es nur noch als alltägliches Transportmittel von A nach B an. Der eigentliche Mehrwert zum einfachen Gebrauchtwagen wird kaum mehr deutlich.

Viel gravierender ist es, falls der Konsum ein Ausdruck einer Unzufriedenheit in bestimmten Lebensbereichen ist. Nicht selten wird mit dem Konsum versucht einen Zufriedenheitsschub zu erzielen, um andere Defizite zu überlagern. Mithilfe der neuesten Spielekonsole, Schuhe oder anderen Dingen soll der Frust im Job oder der Beziehung ausgeblendet werden. Damit besteht nicht nur eine einfache Lifestyle Inflation, sondern ein deutliches Risiko zur Kaufsucht. Ohne Konsum scheint das Leben trostlos und nur durch die Anschaffung neuer Luxusgüter entsteht ein unmittelbares Glücksgefühl.

Durch die Lifestyle Inflation und dem ständig steigendem Konsum scheint der Blick für das Wesentlich abhandenzukommen. Anstatt selbst herauszufinden was im Leben wichtig ist und zur Zufriedenheit zuträgt, wird diese Perspektive lieber im Konsum ertränkt. Die grundlegenden Probleme werden jedoch nicht gelöst, sondern nur zur Seite geschoben.

Auf der anderen Seite beeinflusst die Lifestyle Inflation auch die finanzielle Gesundheit. Gibst Du jeden Monat genauso viel Geld aus, wie Du einnimmst, scheinst Du vordergründig nicht über Deinen Verhältnissen zu leben. Dennoch ist dieser Lebensstil mit größeren Risiken verbunden.

Du schaffst es nicht ein finanzielles Polster aufzubauen, falls mal Reparaturen am Fahrzeug fällig werden oder falls vielleicht das Smartphone oder der Laptop ersetzt werden müssen. Um genügend Spielraum für diese Anschaffungen zu haben, müsstest Du entweder Deine Gewohnheiten stark ändern und auf den Coffee-to-Go verzichten oder eine Finanzierung aufnehmen. Damit besteht die Gefahr in eine Schuldenspirale zu geraten und Dich langfristig zu verschulden.

Ebenso wird es aufgrund der Lifestyle Inflation schwierig andere langfristige Ziele zu verfolgen. Möchtest Du Eigenkapital für den Hauskauf ansparen, vorzeitig in Rente gehen oder zumindest Geld für den Ruhestand zurücklegen, wird dies kaum möglich sein, wenn Du weiterhin der Lifestyle Inflation zum Opfer fällst. Der kurzfristige Konsum steht im Vordergrund, sodass langfristige Ziele nicht verwirklicht werden können.

Lösungsstrategien

Bist Du Dir nun bewusst, dass Du auch der Lifestyle Inflation unterliegst und hast Du Dich an einen gewissen Luxus gewöhnt? Dann können Dir die folgenden Tipps helfen Deine Ausgaben unter Kontrolle zu bringen, ohne dass Du Dich großartig einschränken musst.

Haushaltsbuch führen

Wohin fließt eigentlich Dein Geld und ist jede Ausgabe wirklich notwendig? Eine einfache Methode, um wieder einen besseren Überblick über Deine Finanzen zu erhalten, besteht in dem Führen eines Haushaltsbuches. Schreibe Dir entweder in einem Notizbuch oder per App jede noch so kleine Ausgabe auf.

Nutzt Du Netflix wirklich oder gehst Du regelmäßig in das Fitnessstudio? Überprüfe alle Verträge sowie regelmäßigen Ausgaben und vergleiche, ob es mittlerweile nicht günstigere Angebote gibt. Gerade bei Strom, Internet und Mobiltarifen lässt sich durch einen Wechsel einiges an Geld sparen. Diese Ersparnis kannst Du nutzen und als Anfang für Deine Reserven betrachten.

Strengeres Budget einhalten

Als Du noch als Student gelebt hast, kamst Du auch mit einem strengeren Budget gut über die Runden. Jetzt aber scheint es unvorstellbar, wieder von weniger Geld leben zu können.

Um der Lifestyle Inflation zu entkommen, könntest Du Dich wieder zwingen, mit einem niedrigeren Budget zu leben. Hierzu richtest Du Dir per Dauerüberweisung ein automatisches Sparschwein ein. Verdienst Du zur Zeit 2.000 Euro netto, überweist Du 500 Euro auf ein Konto, welches für langfristige Investitionen in einen ETF genutzt wird. Dadurch stehen Dir „nur“ 1.500 Euro zur Verfügung und Du wirst lernen, wieder innerhalb dieses Budgets zu leben. Damit geht es Dir immer noch wesentlich besser im Vergleich zur Studienzeit, aber gleichzeitig legst Du bereits etwas Geld zur Seite. Somit zwingst Du Dich wieder zu einem gemäßigterem Lebensstil und verfällst nicht der Lifestyle Inflation.

Keine Impulskäufe tätigen

Das Online-Shopping macht es leicht, Dinge zu kaufen, die Du eigentlich nicht brauchst. Seien es Klamotten oder Haushaltsgegenstände, die einmal benutzt werden und dann nie wieder gebraucht werden.

Setze Dir ein strenges Limit und vermeide Impulsivkäufe, indem Du diese nicht sofort kaufst. Stattdessen zwingst Du Dich noch eine gewisse Zeit zu warten. Benötigst Du die Gegenstände auch noch in einer Woche oder einem Monat? Dann kannst Du diese kaufen, falls sie in Dein Budget passen. Oftmals wirst Du aber merken, dass das Verlangen nachlässt und Du nicht auf diese Käufe angewiesen bist.

Lerne, was Dich glücklich macht

Persönliches Glück
Mache Dich unabhängig vom Konsum und finde Deinen Weg zum Glücklichsein

Im Leben geht es in erster Linie darum das persönliche Glück zu finden. Mit dem übermäßigen Konsum verschaffst Du Dir zwar regelmäßige Glücksgefühle, doch diese lassen schnell nach und eine neue „Dosis“ muss her.

Anstatt Dich im Konsum auszuleben, solltest Du lernen, was Dich wirklich glücklich macht. Was fehlt Dir im Leben und welche Ziele möchtest Du erreichen?

Übe lieber Hobbys aus, die nur wenig Geld kosten aber wertvolle Erfahrungen vermitteln. Du könntest Dich weiterbilden oder ein Sportangebot wahrnehmen. Ein erfülltest Leben zu führen ist oftmals günstiger als Du glaubst und wird Dir langfristig zu einem glücklicheren Leben verhelfen, als dem neuesten Trend in der Mode zu folgen.

Ohne Lifestyle Inflation zur Zufriedenheit finden

Bemerkst Du, dass Einnahmen und Ausgaben jeden Monat die Waage halten, obwohl Dein Einkommen beständig steigt, dann könnte dies mit der Lifestyle Inflation zusammenhängen. Hierbei geht es nicht um die gewöhnlichen Preissteigerungen, denen Du nicht entkommen kannst, sondern um einen teureren Lebensstil. Dabei ist Dir mitunter nicht mal bewusst wo das Geld eigentlich verbleibt und wirklich glücklicher scheinst Du durch den Konsum auch nicht zu sein.

Die Lifestyle Inflation könnte trotz beträchtlichem Einkommen dazu führen, dass Du in die Schuldenfalle gerätst und Dich an einen Lebensstil gewöhnst, welchen Du kaum mehr ändern kannst. Tritt doch mal die Arbeitslosigkeit ein oder ein anderer finanzieller Rückschlag tritt auf, ist es kaum mehr möglich die Lebenshaltungskosten zu senken und neben den finanziellen Sorgen tritt nun der fehlende Konsum in Erscheinung.

Um dieser Gefahr erst gar nicht ausgesetzt zu sein, ist es ratsam den Lebensstil nach dem Studium nicht drastisch zu ändern. Genieße lieber die kleinen Veränderungen und sei Dir bewusst, dass Du nun einen größeren finanziellen Spielraum hast, aber nutze diesen nicht komplett aus. Lebe lieber bescheiden und entdecke, was Dich im Leben glücklich macht und die Lifestyle Inflation wird keine Gefahr für Dich darstellen.

Möchtest Du finanziell unabhängig und nicht mehr dem Stress des Arbeitslebens ausgesetzt sein? Dann ist notwendig frühzeitig zu investieren und das Geld für Dich arbeiten zu lassen. Auf Finania zeige ich Dir, wie Du mit geringem Risiko Dein Geld sicher anlegst, um Stück für Stück Deinem langfristigen Ziel näherzukommen.